Mittwoch, 23. Dezember 2015

~14~ Wie viel Eva-Potential besitzt du? // Zwischen Umzugschaos und Weihnachtsvorbereitung



Test: Wie viel Eva-Potential besitzt du?

1. Samstagabend, der 28.11.: Pierre, der Freund von Louise, schmeißt eine Houseparty. Ja, nein, vielleicht? Wichtig: Davor gehst du noch mit den Mädels von der Kirche auf den Weihnachtsmarkt.
a) Ja! Wir können nicht schon wieder das ganze Wochenende Zuhause rumgammeln.
b) Nein. Ich liebe meinen Schlafi und das canapé ist so bequem…
c) Vielleicht. Irgendwie hab ich schon Lust, aber kommt drauf an, wie die Motivation bei Lise und Steffi ist.

2. Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Was machst du nach der Kirche?

a) Dadurch, dass ich so wenig geschlafen hab, mach ich erst mal eine laaaange Sieste.
 
b) Feierlich zünden wir die erste Kerze unseres selbstgemachten Adventskranz an und essen gemeinsam. Danach werden die Adventsgeschenke verteilt und aufgerissen.
c) Gemeinsames Essen in der Stadt!


3. Lise und du seid traurig, da ihr bald umzieht. Zum Trost wollt ihr euch einen Kuchen backen, doch euch fehlt die wichtigste Zutat: Schokolade! Was tut ihr?

a) Keine Schokolade = weniger Kalorien = Perfekt!           
 
b) Wir fahren mit dem Fahrrad zum Carrefour und kaufen Schokolade. So machen wir auch Sport! 
c) Kuchen ohne Schokolade? Das ist unmöglich; wir plündern die Schokolade aus Evas fancy Disney Princess Adventskalender!

4. Es ist Zeit für die Sieste. Deine Kinder bitten dich,  ihnen eine Geschichte vorzulesen. Wie reagierst du?
a) Vergiss es, ich schlafe lieber.
b) Natürlich lese ich ihnen eine Geschichte vor, wozu bin ich sonst da?
c) Theoretisch ja, aber ich muss noch Geschenke häkeln… Sie dürfen mir dabei zuschauen.

 5. Oh nein, ihr zieht am Freitag um! So langsam solltest du anfangen zu packen! Wie ist dein System?
a) Ich beginne, meine Kleider zu sortieren: brauche ich für die nächsten zwei Wochen / für nach den Ferien / für den Sommer / gar nicht. Doch bei der Kategorie „gar nicht“ werde ich nostalgisch und lasse diese letztendlich weg. Wer weiß, vielleicht brauche ich meine Schneeschuhe ja, obwohl es in der Bretagne fast nie schneit…

b) Klares System bei den Kleidern:  brauche ich für die nächsten zwei Wochen / für nach den Ferien / für den Sommer / gar nicht. Bei meinem restlichen Zeug gehe ich genauso vor.

c) System? Ne, ich mach es wie Steffi und schmeiße alles querfeldein in meinen Koffer und meine Pakete.

6. Es ist Donnerstagabend (3.12.). Wie verbringst du deinen letzten Abend im alten Haus?
a) Ich schlendere durch die Barstraße in Rennes und betrinke mich hemmungslos.

b) Ich schließe mich in mein Zimmer ein, schalte das Licht aus, zünde meine Kerzen an und höre lautstark „All by myself“ in Dauerschleife, während ich mich in den Schlaf weine.

c) Letzter Abend, Familienabend. Wir kaufen uns zwei XL-Pizzas und setzen uns gemeinsam aufs Canapé wie wir es immer tun.

7. Freitag (4.12.) früh. Na, alles schon gepackt?
a) So ziemlich, aber sicherheitshalber stelle ich mir meinen Wecker etwas früher, sodass ich gemütlich alles zusammenpacken kann.

b) Ja. Ich stelle mir meinen Wecker trotzdem etwas früher und fange gemütlich an zu packen, bis mir dann auffällt, dass die Zeit nicht reicht. Das Ergebnis: Ich komme gut 10 Minuten zu spät und vollkommen außer Atem zur Arbeit.

c) Fleißig wie ich bin habe ich alles schon am Mittwoch gepackt – das heißt ausschlafen!

8. Nachdem du den ganzen Nachmittag damit verbracht hast, eine super coole cabane mit den Kindern zu bauen, heißt es endlich WOCHENENDE! Da du noch nie in dem neuen Haus warst, gilt es nun, gemeinsam mit Steffi zum ersten Mal dorthin zu fahren.
a) Wir wissen nur die Haltestelle, in deren Nähe sich das neue Haus befindet. Typisch französisch cruist ihr mit den Fahrrädern durch die Gegend und findet relativ schnell den richtigen Weg.

b) Deutsch sein heißt perfekt vorbereitet sein! Ihr habt euch die Route schon vor einer Woche rausgeschrieben und kommt ratzfatz in eurem neuen Zuhause an.

c) Ihr kennt so grob die Richtung und fahrt im Mario-Style auf gut Glück los. Eure Unterhaltung besteht dann nur noch aus: „Faut qu’on fasse demi-tour“ (Wir müssen umkehren) und „Courage, on va y arriver!“ (Durchhalten, wir kommen schon irgendwann an)

 9. Trautes Heim, Glück allein – oder mit Louises und Marios Arbeitskollegen am Freitagabend (4.12.) gemütlich zusammensitzen?
a) Ich bin schrecklich müde, ich werde früh schlafen gehen.

b) Ja, lass was starten! Danach will ich noch die Gegend erkunden, um zu wissen, wo genau ich bin (wichtig: Apotheken für Steffi!)

c) Ich bin dabei, allerdings bleibe ich nicht so lange, weil ich müde bin.

 
10. Samstag, der erste Tag im neuen Haus. Was machst du?
a) Zuhause alles gemütlich auspacken und einkaufen gehen.

b) Mein Tag ist total durchgeplant: Einkaufen, Frühstücken mit Lise und Steffi, danach zum Decathlon (ein Wunder, mein Fahrrad ist schon wieder kaputt), ein Abonnement für einen „Fahrrad-Parkplatz“ machen, noch mal einkaufen, auf ein Gratis-Evenement im Schwimmbad gehen (wir haben noch kein warmes Wasser Zuhause, also ist das die perfekte Gelegenheit, eine heiße Dusche zu nehmen!), danach im Burgerrestaurant essen…und um nicht zu vergessen: zwar haben wir keine Tickets für das Trans-Musical in Rennes (eins der größten Music Festivals Frankreichs) bekommen, allerdings gibt es eine andere Aktivität, „Bars en Trans“, d.h. dass es Live-Musik in verschiedenen Bars gibt.

c) Ich schlafe erst mal aus, dann essen wir gemütlich und schlendern in der Stadt rum. Abends gehen wir aufs Trans Musical und feiern bis zum Morgenrot!

 
11. Nachdem du eine sehr kurze und sehr kalte Dusche genommen hast, bietet dir eine Mitarbeiterin an, bei ihr ein Bad/eine Dusche zu nehmen. Nimmst du an? Wichtig: Danach triffst du dich zum ersten Mal mit „deinem“ Pizzaboten / Tandempartner!

a) Ach was, ich hab vor zwei Tagen zuletzt geduscht, ein Tag mehr oder weniger macht nichts.
b
) Ein Blick in den Spiegel reicht – eine Dusche ist fällig. Aber ich muss noch die Schule putzen und ob ich danach noch Zeit hab?
c) Dazu sag ich nicht nein! Ein warmes Bad mit viel Badeschaum, Duftkerzen und Musik wäre perfekt.

12. Du hast dich abends mit „deinem“ Pizzaboten / Tandempartner getroffen. Wie wars?

a) „Meine Stimme ist weg, sodass ich von allen ausgelacht werde, weil ich nur noch flüstern kann.“ – Reicht das als Antwort?
b)  Es war total komisch, wir haben uns hauptsächlich angeschwiegen. Ich glaube nicht, dass wir uns noch mal treffen werden.

c) Richtig schön, wir haben total lang geredet. Verantwortungsbewusst wie ich bin, bin ich allerdings vor Mitternacht nach Hause gegangen, da ich am nächsten Tag arbeiten musste.

13. Super, du bist mal wieder krank. Nachdem du dir übers Wochenende zahlreiche Medikamente (natürlich nur homöopathisch) reinschmeißt, geht es dir am Dienstag (15.12.) gut genug, um in die Schule zu gehen. Wie reagieren die Kinder auf dich?

a) „Beeerk, Eva war krank, ihre Bazillen sind überall, haltet Abstand zu ihr!“
b) Die Kinder rennen schreiend auf mich zu, umarmen mich so stark, dass ich mich hinsetzen muss, um nicht umzufallen. Später sagt mir ein Kind: „Tu m’as manqué, tu m’as manqué toute ma vie!“ (Du hast mir gefehlt, du hast mir mein ganzes Leben lang gefehlt!).

c) Ein, zwei Kinder rennen auf mich zu, der Rest ist beschäftigt mit cabanes bauen, malen, streiten, weinen…

14.Und wie sieht dein Mittwoch (16.12.) aus?
a) Da „Je suis fatiquée!“ (Ich bin müde!) zurzeit dein Lebensmotto ist, machst du dir einen gemütlichen Tag Zuhause mit den Mädels.
b) „Je suis fatiguée!“, aber ich muss meine Sachen für die Ferien und den Umzug packen, damit es nicht so stressig wird wie letztes Mal.

c) „Je suis fatiguée!“, aber gemütlich deutsch brunchen und danach den ganzen Nachmittag Black Ops 1 geeken anstatt Weihnachtsgeschenke zu kaufen ist einfach zu verlockend ;)

15. Am Donnerstag (17.12.) ist die Weihnachtsfeier in der Schule. Was trägt der Kindergarten bei?
a) Wir haben mit den Kindern einen Tanz mit Tüchern eingeübt.

b) Wir spielen die Geschichte von Maria, Josef und Jesus nach.

c) Wir haben Hefezopf nach Mamas Rezept für alle gebacken.

16. Da euer Freitagabend schon verplant ist, macht ihr am Donnerstagabend das Familienessen mit Mario und Louise.
a) Jeder kocht etwas aus seinem Heimatland, sodass wir am Ende ein deutsch-französisch-spanisches Buffet haben. Ihr macht Spätzle mit Linsen und für die Nichtvegetarier gibt es Speckwürfel dazu.

b) Wir gehen gemeinsam in die Stadt, essen Galettes und setzen uns danach gemütlich in eine der Bars, die du mittlerweile kennst.

c) Es gibt typisch französisch Käsefondue mit Wein und Baguette. Danach wird gewichtelt (Du zerstörst dein Geschenk gleich)

17. Letzter Schultag!! Leider hat sich die Lehrerin an der Weihnachtsfeier den Fuß so stark verletzt, dass die Schule ausfällt – das bedeutet gleichzeitig, dass fast alle jüngeren Geschwister nicht in den Kindergarten gehen, sondern Zuhause bleiben, sodass ihr fünf Kinder habt. Was macht ihr?
a) Wir machen den gewöhnlichen Tagesablauf: Vormittags in den Wald, Mittagessen, Sieste, freies Spielen. Das Besondere ist allerdings, dass es ein Weihnachtessen gibt: Weihnachtssuppe, Nudeln nach dem Rezept der „Weihnachtsmutter“ und Weihnachtsbäume. Es ist wie ein Familienessen, wir singen Weihnachtslieder und lachen total viel. Die Kinder haben einige Freiheiten, weil es unser letzter Schultag ist.

b) Der ganze Tag steht im Zeichen von Weihnachten: Wir dekorieren den Weihnachtsbaum, backen Plätzchen, trinken Kinderpunsch (die Franzosen kennen sowas gar nicht!), spielen die Weihnachtsgeschichte nach, malen Bilder als Weihnachtsgeschenke…

c) Da wir nur so wenige sind, ist nachmittags kein Kindergarten, sodass die Eltern ihre Kinder nach dem Weihnachtsessen abholen.

18. Tanzend und jubelnd hüpfen Élise und du durch den Kindergarten: FERIEN! Nachdem ihr die Schule aufgeräumt habt, holt dich dein Chauffeur ab und ihr geht Geschenke einkaufen. Was machst du abends mit Élise, Lise und Steffi?
a) „JE SUIS FATIGÉE!“ Ein gemütlicher Mädelsabend mit Girlyfilmen und Tassenkuchen (natürlich Schokolade) ist die perfekte Feier für uns.

b) Party! Es gibt wie jedes Wochenende zahlreiche Veranstaltungen und zum Glück haben wir noch Tickets ergattert!

c) Wir schauen uns ein Feuerspektakel an, essen Crêpes und setzen uns in eine Bar. Danach machen wir uns auf den Weg zu einer Party; da wir sie nicht finden, gehen wir zu uns nach Hause und machen es uns dort gemütlich.

 
Auflösung: 1a 2b 3c 4c 5a 6c 7b 8a 9c 10b, 11c, 12a, 13b, 14c, 15c, 16c, 17a, 18c

 Ergebnis:

0-5 richtige Antworten: Du scheinst Eva nicht ausreichend zu kennen, doch das lässt sich ganz leicht ändern: Triff dich mal mit ihr, am besten irgendwo, wo es Essen gibt (Special Geheimtipp: Eva liebt es, zu kochen, also kocht doch gemeinsam. Wichtig: Eva ist Vegetarierin!), und unterhalte dich mit ihr. Einige Gesprächsthemen: Essen, Musik, Frankreich, ihr Hund Coco bzw. alle Tierarten…

6-13 richtige Antworten: Nicht schlecht, das Verhaltensmuster von Eva ist dir nicht unbekannt und zugegeben, die Fragen waren teilweise etwas schwieriger. Beim nächsten Test schneidest du vielleicht besser ab!

14-18 richtig Antworten: Herzlichen Glückwunsch, du kennst Eva wirklich gut, gehörst du zu ihrer Familie, bist du Lise/Steffi oder hast du einfach nur geraten? Schreib Eva, dass du glorreich den Test gemeistert hast!

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Ganz Rennes ist weihnachtlich dekoriert - so sieht das Viertel von Sainte-Anne aus!
 

Nach Ewigkeiten melde ich mich mal wieder, da wir im neuen Haus (Steffis und mein „Zwischenstopp“) noch kein WLAN haben…

Die Umzugswoche war wirklich vollgepackt und anstrengend für uns alle, vor allem für Mario und Louise, die fleißig alles in dem alten Haus zusammengepackt und in das neue Haus verfrachtet haben. Wir hatten eine knappe Woche kein warmes Wasser, d.h. wir hatten teilweise 11°C IM Haus. Da Steffi und ich die Meisterinnen der Krankheiten sind und wir zu dritt in einem Zimmer schlafen, folgt auf einmaliges Husten/Schnäuzen nachts immer: „Hey, ist deine Nase auch so verstopft?“  und dann quatschen wir noch etwas – zum Glück hat Lise einen wahnsinnig tiefen Schlaf!

Und was sagt die Wohnungssuche? Um es kurz zu machen: Ja, wir haben eine Wohnung, in die wir nach den Ferien einziehen. Sie liegt im Zentrum Rennes und hat einen großen Garten, den wir mit den anderen Bewohnern (alles Studenten) teilen. Hört sich bis jetzt ganz gut an, aber das „Appartement“ besteht aus einem Flur, auf dem sich die „Küche“ und ein „Esstisch“ befinden, einem kleinen Bad und zwei kleinen Zimmern. Nachdem wir Vergleiche wie: Das Wohnzimmer im alten Haus ist so groß wie unser neues Appartement hatten und überzeugt davon waren, dass unser Appartement wirklich so klein ist, waren wir am Mittwoch noch mal dort und zu unserer Erleichterung ist es doch größer als gedacht, sodass wir beruhigt umziehen können.

Zwar liebe ich meistens meine Arbeit mit den Kindern und ich fand die Weihnachtsfeier sowie das gemeinsame Essen wirklich schön und rührend, aber wir sind alle ferienreif, sodass sich meine Trauer in Grenzen hält.

Am 20. bin ich zu meiner Schwester Franzi nach Freiburg gefahren, um Zeit mit ihr zu verbringen. Leider hat das nicht so gut geklappt, da Franzi noch ihr Ref hatte, sodass sie bis zum Dienstag in der Schule war. Bei ihr haben wir dann auch das Geschenk meiner Kindergartenkinder an mich entdeckt: Läuse! Juhuu, ich hab mich riesig gefreut und Franzi ist fast ausgetickt, so toll fand sie meine Läuse, da wir zusammen in einem Bett geschlafen haben und sie dadurch an diesem großzügigen Geschenk teilhaben durfte ;) Unsere ausländischen „Freunde“ haben wir Zuhause erfolgreich beseitigt und jetzt ist alles gut!  

Ich hab meine Familie total vermisst, was mir erst jetzt in Deutschland auffällt. Deshalb verbringe ich Silvester dieses Jahr zum ersten Mal seit Langem mit meiner Familie – meine Mama hat zu diesem Anlass extra ein neues Raclette gekauft („Ich hab fleißig Treuepunkte bei Kaufland gesammelt, jetzt gönnen wir uns ein neues Raclette!“). Ja, Familie!
Ich weiß nicht, wann ich mich das nächste Mal melde, da wir in der neuen Wohnung kein WLAN haben.

Frohe Weihnachtszeit und einen guten Start ins neue Jahr! <3
 

Sonntag, 22. November 2015

~13~ Neuste Studien zeigen: Krokodilstränen führen zu Rebellion


Finsternis kann keine Finsternis vertreiben.
Das gelingt nur dem Licht.
Hass kann den Hass nicht austreiben.
Das gelingt nur der Liebe.

Martin Luther King


Es ist zwar „schon“ über eine Woche her, dass Paris mit Attentaten überrascht wurde, aber der Schock ist noch da. Die Angst ist da. Nicht nur in Paris direkt, sondern überall in Frankreich. Wir sind über zwei Stunden von der Hauptstadt entfernt, aber ein Kind hatte so große Angst vor weiteren Attentaten, dass es nicht mehr einschlafen konnte. Nun haben wir einen beschützenden Stein im Sieste – Zimmer aufgehängt und das Kind kann endlich wieder schlafen. Taschenkontrollen in der Stadt sind an der Tagesordnung und durch den Ausnahmezustand werden viele Veranstaltungen abgesagt, um möglichen Attentaten keinen Raum zu lassen.

Mir fehlen die Worte und ich möchte/muss auch nicht viel bezüglich dieses Themas sagen, außer, dass ich die Solidarität, vor allem mit den Flüchtlingen, großartig und berührend finde.

http://puheenvuoro.uusisuomi.fi/sites/default/files/imagecache/biggest/domain-37/kuvat/paris-peace.jpg

#prayforparis


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Neuste Studien zeigen: Krokodilstränen führen zu Rebellion

Rennes am Mittwoch, dem 4.11., um 21.00. 
Eine Nachricht erschüttert das harmonische Freiwilligenhaus.

Nach langer Suche wurde eine neue Wohnmöglichkeit gefunden – jedoch nur für zwei der fünf Freiwilligen, Mario und Louise. Aufgrund mehrerer schwieriger und gefährlicher Situationen mit dem Nachbar und seinen neun Hunden beschloss die Organisation Compagnons Bâtisseurs, dass sie die gegenwärtige Lage nicht verantworten können.
Doch erst am besagten Mittwoch Abend wurde klar, dass der Umzug nicht nur eine Option, sondern obligatorisch war. Die Reaktionen waren deutlich auf den Gesichtern der anderen drei Freiwilligen zu sehen. Eine Freiwillige brach in Tränen aus. „Da wir nicht wussten, wo wir nun wohnen sollen, malte ich mir die schlimmsten Szenarien aus. Das war einfach zu viel für mich.“
In den folgenden Stunden spielte sich das ab, was man „Die fünf Phasen der Trauer“ nennt: Leugnung („Ne, das is nicht deren Ernst, das dürfen die doch nicht.“), Zorn („Wir ziehen hier nicht aus!“), Verhandlung („Hier gibt es so viele Brücken, wir schnappen uns einfach ein Zelt und wohnen da, alle zusammen!“), Depression („Wir werden getrennt, die Welt ist ungerecht.“) und Akzeptanz („Okay, lass uns mal im Internet schauen, was es für Alternativen gibt.“).
In späteren Interviews wurde dann bestätigt, was davor schon vermutet wurde: Die drei Mädchen sind zu einer Familie zusammengewachsen und haben die anderen Freiwilligen in ihr Herz geschlossen. Dies machte es ihnen schwer, die Trennung zu akzeptieren. 
Wahrlich geholfen hat jedoch nur ein Besuch beim Piercer. Berichten zufolge hat sich eine Freiwillige einen Helix, die andere einen Nasenpiercing stechen lassen.

em

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Ja, der Umzug war ein riesiger Schock für uns. Nachdem wir uns endgültig mit der Situation abgefunden hatten, haben wir leider auch festgestellt, dass es unmöglich ist, in einer Stadt wie Rennes ein Appartement für drei Personen zu finden, das die finanziellen Mittel nicht übersteigt. Da in dem neuen Haus von Mario und Louise noch ein Zimmer frei ist, haben wir ausgelost, wer dort wohnen wird; es traf Lise. Steffi und ich haben ein frisch renoviertes Appartement im Zentrum, welches höchstwahrscheinlich nicht bis zum Umzug der anderen einzugsbereit ist. Dies heißt, dass wir noch ein bis zwei Wochen alleine ohne jegliche Einrichtung (wir werden um die Mikrowelle kämpfen!) im Freiwilligenhaus wohnen werden.
Es wird mir total fehlen, die Haustür zu öffnen und Louises Musik zu hören, jeden Abend zusammen TV zu schauen, lautstark nach Crêpes zu verlangen (und sie dann auch bekommen <3 ), Marios „PUTAIN“ – Ausrufe. Einfach alles. Wir sind/waren nicht nur einfach ein paar Freiwillige, die man zusammen in ein Haus geschmissen hat. Wir sind Freunde. Helfer. Tröster. Schon fast eine Familie.
Der Silberstreifen am Horizont ist, dass wir nicht weit von dem neuen Freiwilligenhaus entfernt wohnen und dadurch weitere „The Mentalist“ und Kochabende gesichert sind.

Auch am 12.11. passierte etwas Schreckliches - in den Augen der Kinder, aber auch uns Erwachsenen hat es das Herz gebrochen. Eine „große böse Maschine“ hat den Großteil der Bäume, die direkt an das Schulgelände angrenzten, abgesägt. Das einzig Gute ist, dass wir nun viel mehr von der Sonne sehen und die Schule um einiges heller und wärmer ist als zuvor.

Am 13.11. war das Laternenfest / Sankt Martin. Bilder folgen hoffentlich noch (ich hab schon einen Papa/Hobbyfotograph darauf angehauen :) ). Es war sehr schön, sowohl die Laternen als auch das Fest an sich. Zu Beginn gab es ein selbst geschriebenes Theaterstück einer Lehrerin, in dem es darum ging, dass negatives gleichzeitig auch positiv ist – hat natürlich perfekt zu unserer jetzigen Situation mit dem Umzug gepasst. Danach war der Laternenzug (leider ohne Sankt Martin und dem Bettler, so wie ich es aus meiner Grundschule kenne), deren Begleitungsmusik trotz großer Liedauswahl nur aus „Ich geh mit meiner Laterne“ und „Sonne, Mond und Sterne“ bestand und zum Abschluss ein Lagerfeuer und Suppe.

Kindergarten-Laternen


Mein Herz explodierte fast vor Freude, als ich am 15.11. zum ersten Mal im Gottesdienst einer Freikirche war und herzlich aufgenommen wurde. Der Gottesdienst war sehr bewegend, vor allem weil wir am Anfang für Paris, aber auch für den Frieden auf der ganzen Welt gebetet haben. Das „Hier bin ich richtig. Hier bin ich Zuhause.“ – Gefühl wurde nach dem Gottesdienst durch Einladungen zum Mittagessen und schöne Gespräche sowie das Austauschen von Handynummern noch mal bekräftigt.

Am Freitag, dem 20.11., waren Steffi und ich auf einer Party. Dachten wir zumindest, bevor wir hingingen. Der Anblick einer Harfe und einer Geige machte unsere Party-Stimmung zunichte. Bretonische Volksmusik statt Clubmusik. Unser „Wir hätten auch in unseren Schlafis Zuhause gammeln können“ - Gedanke verflüchtigte sich aber sehr schnell, da bretonische Musik richtig cool ist. Es gibt zwar traditionelle Tänze, aber da diese keiner konnte, sind wir hüpfend durch den Raum getanzt und haben uns prächtig amüsiert. Danach trat eine Jazz – Band auf und weiter gings mit dem Tanzen. Der krönende Abschluss war eine Studentin, die dann zu Jazzmusik gesungen hat. Wow. Ein toller Abend und wir waren endlich mal aktiv!

Gestern war der Hunger Games (Tribute von Panem) Marathon. 12 Stunden im Kino. Zum Glück hatten wir jede Menge Snacking (Schokomuffins, Scones, Galettes sablées, Sandwiches, Cola) dabei und unsere Leggins an :D Erneut ein gelungener Tag!

Pre-Snacking / Brunch vor dem Kino



Heute waren wir im Parc Gayeulles, ein absolutes Muss, wenn man Rennes besucht. Ein perfektes Ausflugsziel für Familien: Spielplätze, ein Minigolf-Platz, ein Wildgehege, mehrere Seen und Teiche, ein Trimm dich Pfad und Grill- & Picknickplätze.

Trimm dich Pfad mal anders :)




Zusammengefasst kann man sagen, dass dieses Wochenende perfekt und aktiv war. Und das mein Blogeintrag eindeutig zu lang ist, also „Chapeau“ an alle, die es bis zum Ende durchgehalten haben!

Sonntag, 8. November 2015

~12~ Paris, mon amour!



Wieso ist Paris so berühmt? 


Ganz einfach, weil die Stadt sich einen Namen gemacht hat! Es gibt so viele schöne Städte in Frankreich, doch Paris hat es geschafft, die Stadt Nummer 1 zu werden und Touristen aus der ganzen Welt anzulocken!

Hier einige Gründe für den Aufstieg der Stadt:


Die gigantischen, von Menschenhänden erschaffenen Gebäude lassen einen vor Ehrfurcht erzittern, verleihen das Gefühl, minuscule zu sein, doch zugleich ist man erstaunt von der Architektur, der Größe und der Geschichte. Das einzige Wort, das einem in diesen besonderen Momenten einfällt, ist „holy!“. Einige Beispiele für diese „holy!“ – Momente sind der Louvre, das Musée d’Orsay, die Kirche Notre Dame sowie Sacre Coeur.
Diese Sehenswürdigkeiten können auch mit dem Touribus oder einer Fahrt auf der Seine bestaunt werden.
Der Louvre

Musée d'Orsay

Notre Dame


Sacre Coeur



Die Seine
Schlechtes Selfie während der Seine-Fahrt
Die berühmteste Sehenswürdigkeit ist jedoch der Eiffelturm, der zum Wahrzeichen der Stadt Paris geworden ist. Doch nicht nur bei Tag ist der Tour d’Eiffel sehenswert; bei Nacht ist er wie die anderen Sehenswürdigkeiten beleuchtet, die Besonderheit: Zu jeder vollen Stunde zwischen 19h-02h „funkelt“ der Eiffelturm für einige Minuten und verleiht der Stadt einen magischen und romantischen Glanz. Der Eiffelturm behält seinen Charme auch, wenn es neblig und kühl ist: dann sieht man die zwei Scheinwerfer des Eiffelturms ihre Runden durch die Wolken ziehen. Dieser Schein ist bis in die Zone 5 von Paris sichtbar.




Ein weiteres Spektakel ist die Aussicht vom Arc de Triomphe („holy!“ – Moment) bei Nacht. In der Dunkelheit sieht man die Straßen, die sternenförmig von dem Gebäude ausgehen, sowie den Eiffelturm und einige andere Gebäude. Der etwas anstrengende Aufstieg bis zu der Plattform ist diesen Anblick eindeutig wert - ein Bild reicht nicht aus, um das Gefühl zu beschreiben, welches man oben fühlt. 

Das bindende Glied der Sehenswürdigkeiten ist die Metro, korrekt ausgedrückt, die 16 Metros sowie zahlreiche Busse und RERs. Für Touristen ist das System verschickt und verwirrend, vor allem, wenn sie aus einer Stadt wie Rennes kommen, die eine Metro und ein paar Busse besitzt. Doch mit Guides (siehe unten) ist auch diese Hürde überwindbar.
Überall in Paris gibt es Parks und Naherholungsgebiete, die einladen, sich Baguettes, Camembert, Pain au Chocolat und Gemüse zu kaufen und dort zu snacken. Danach kann man gestärkt den Tagesausflug fortführen.

Snacking-Ort irgendwo in Paris

Paris ist wahrlich eine Stadt magnifique, die mit ihrem Charme überzeugt und verzaubert. Doch jeder Ort besitzt Ecken und Nischen, die in keinem Touristenführer zu finden sind. Deshalb ist es von Vorteil, die Stadt mit „Einheimischen“ zu erkunden – nicht nur, um diese Anti-Touri-Orte zu finden ohne sich in Paris zu verirren. Guides sind vor allem für ihren unschlagbaren Humor und ihre Art, zu begeistern, berühmt. Bei dieser Atmosphäre vergisst man schmerzende Füße und das Bedürfnis, zu nappen.

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Vom 16.-23. Oktober waren Lise, Steffi und ich in Paris. Der eigentliche Grund dafür war der viertägige Kongress der französischen Waldorfschulen und –kindergärten. Doch da der Kongress dieses Mal viel kleiner ausgelegt war als letztes Jahr hatten wir Freiwilligen wenig Programm und konnten somit die Zeit in Paris mit einigen anderen Freiwilligen genießen. Drei der Freiwilligen meines Vorbereitungsseminars wohnen in der Schule, in der der Kongress stattfand, sodass ich bei ihnen wohnen durfte. Ein weiterer lebt direkt in Paris und auch Freiwillige aus dem Elsass und Avignon sind den Weg nach Paris angetreten. Paris ist wirklich eine wunderschöne Stadt, doch ohne die anderen Freiwilligen wäre sie weitaus weniger attraktiv gewesen. Wir haben sehr viel gemeinsam erlebt und jeder einzelne Tag war perfekt, sodass wir abends höchst zufrieden und müde ins Bett gefallen sind und schnell ratzen konnten.
Es war allerdings auch das erste Mal, dass ich von Lise und Steffi getrennt war (über einen Tag!!!!), was für uns, so verschickt es auch klingt, total schlimm war, obwohl ich die Zeit mit den anderen Freiwilligen wirklich genossen habe. Das Vermissen wurde aber durch liebevolle Gedichts-SMS und Anrufe gemildert und mir ist erneut bewusst geworden, wie glücklich ich mich schätzen kann, mit den beiden mein FJA zu verbringen.

Vor dem Eiffelturm - wie es sich für Touris gehört ;)


Dass ich erneut nach Paris fahre, ist schon beschlossen, ebenso, dass die Freiwilligen uns in Rennes besuchen kommen, um sich Galettes zu gönnen. Ach ja, die kursiv geschriebenen Wörter sind all diejenigen, die wir uns während Paris voneinander angewohnt haben ;)
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Ich bin erst jetzt dazu gekommen, diesen Blogeintrag zu schreiben, da die zweite Ferienwoche auch vollgepackt war z.B. mit dem Besuch von Le Mont Saint Michel (Hinfahrt classic und girly mit der Pferdekutsche) und einem weiteren Tagesausflug nach Saint-Malo!

Kutschenfahrt mit Le Mont Saint Michel im Hintergrund
Die Landschaft ist pittoresk - Watt gemischt mit reißenden Flüssen. Auch Wattwanderungen in Begleitung eines Guides sind möglich.


Am Montag hat die Schule wieder begonnen und ich war sehr froh, die Kinder wieder zu sehen und bin gar nicht aus dem „ich will euch alle knuddeln“ – Modus raus gekommen  - verschickt, oder?
Nächsten Mittwoch ist Sankt Martin: für uns heißt das, viele Laternen und Brote für das Fest vorzubereiten! Ich freue mich schon und bin gespannt, wie das Fest in einer Waldorf-Einrichtung in Frankreich aussieht im Vergleich zu staatlichen Grundschulen in Deutschland!






Montag, 12. Oktober 2015

~11~ Zurück ins Jahr 2006

Bist du bereit für einen Ausflug in das Jahr 2006? 
Deine Zeitmaschine erwartet dich. Du packst deinen Rucksack mit allen überlebenswichtigen Dingen (z.B. Micky-Mouse T-shirt) und sitzt dich in die Zeitmaschine. Du drückst den roten Knopf und boombadaboom los geht das Abenteuer:

Du bist 9 Jahre alt. Du gehst in die 3. Klasse – Jungs sind doof, denn sie machen nur Krach und prügeln sich. Deine Welt dreht sich um die „Winx“, Pferde, „W.i.t.c.h.“ und…Pferde. Dein Kater „pattes blanches“ ist dein ständiger Begleiter, ob auf der Straße oder im Bett. Heute ist Freitag und du hast eine Freundin eingeladen: Eine deutsche Freiwillige aus deiner Schule, welche übernachten wird. Du führst sie durch dein Quatier, zeigst ihr den Laden deiner Mutter, einen coolen Spielplatz und einen Kletterbaum. Zuhause stellst du die ultimative Frage: „As-tu envie de jouer Doudou avec moi?“ („Hast du Lust mit den Kuscheltieren zu spielen?“) Rasch sind die Doudous aufgeteilt und ihr macht euch daran, die Häuser und Läden aufzubauen. Wenig später hast du die geniale Idee, das Spiel nach draußen zu verlegen – Straßenkreide und kleine Doudous einpacken und schon kann es losgehen. Auch hier gilt wieder, Häuser aufzubauen, dieses Mal werden sie mit der Kreide auf den Boden gezeichnet. Zurück in der Wohnung (Wieso ist der Freiwilligen immer so kalt?) machen wir sablimages, Bilder mit buntem Sand – natürlich ist die Freiwillige total begeistert und erinnert sich an die Zeit von „Malen nach Zahlen“. Die nächste Idee bahnt sich an: Auf Plaketten werden eure Namen geschrieben, gleichzeitig sammelt ihr Äste und bindet sie zusammen. Das Ganze wird dann mit auf den Kletterbaum genommen („Warum ist die Deutsche so langsam? Ich werde sie trainieren, indem ich sie immer hoch und runter schicke…“) und platziert. Nun warten wir auf maman, um ihr zu zeigen, was wir konstruiert haben – natürlich ist sie begeistert, was auch sonst? Während sie das Abendessen vorbereitet, schauen wir meine Lieblingssendungen auf Disney Channel: „Violetta“ und „Chica Vampiro“! Ich spüre die Überzeugung der Freiwilligen, als sie sagt, dass die Sendungen ihr gefallen – oder ist sie nur eine unglaublich begnadete Schauspielerin? (Die Antwort erschließt sich, wenn man den Trailer für „Chica Vampiro“ anschaut). Währenddessen wird gesnackt – das Abendessen, das uns Mama dann serviert, schmeckt mir nicht so, aber die Freiwillige bittet sogar um Nachschlag (die Deutschen halt). Nach einer weiteren Runde Doudou spielen, schauen wir „Das Dschungelbuch“, wechseln aber nach kurzer Zeit über zu „Das Königreich der Katzen“, welches die Freiwillige dank ihrer besten Freundin schon kennt. Um 23h ist der Film vorbei und Müdigkeit breitet sich aus...es ist Zeit, ins Bett zu gehen. Dort wird allerdings nicht gequatscht, denn maman hat die Türe einen Spalt offen gelassen, um sicherzustellen, dass wir brav schlafen. Gekichert wird allerdings trotzdem, als sich pattes blanches auf dem Bett der Freiwilligen breit macht und sich kraulen lässt.

Unsanft werden wir durch meine digitale Armbanduhr geweckt (Wie stellt man den Alarm aus???) und stehen auf – maman gibt der Freiwilligen noch Anweisungen, aber die Freiwillige checkt nicht alles und fragt noch gefühlte tausend Mal nach, um sich zu vergewissern, dass sie nichts falsch macht. Wichtigste Anweisung: Kein Fernsehen für mich! Die Freiwillige und ich machen den Waffelteig und hören währenddessen meine Lieblings-CD. Die Freiwillige kennt jedes Lied auswendig und singt deshalb lauthals mit, wohingegen ich irgendetwas vor mich hinbrabbele (englische Texte zu verstehen ist ziemlich schwierig). Danach gehe ich zu einem Treffen, währenddessen geht die Freiwillige zu maman und kauft für sie ein. Zurück Zuhause gibt es bretonisches Mittagessen: Galettes und zum Nachtisch Crêpes, die allerdings nicht so gut schmecken. Erneut hören wir meine Lieblings-CD und es heißt KISSENSCHLACHT mit dem Song „Treasure“ im Hintergrund. Während ich wieder ein Treffen habe, geht die Freiwillige zu maman und lässt sich mit einer Sauna verwöhnen. Mit verschwitzten Haaren kommt sie nach Hause und es geht gleich weiter zu dem Bauernhof meiner Freundin. Dort führen wir (wohl eher ich, denn ich bin immer schneller als meine Freundin) sie herum und spielen anschließend „Littelest Petshop“ – Barbie, Polly, Lego, Playmobil und Co. Sind out, die kleinen Tierchen mit den unglaublich riesigen Köpfen, die man um 360° drehen kann, sind doch viel schöner und gaaarnicht gruslig. Leider geht’s schon wieder nach Hause und die Müdigkeit übermannt die Freiwillige und mich. Gemeinsam gammeln wir auf dem Sofa herum und warten auf meine Freundin, die von heute auf morgen bei mir übernachtet – ihr Vater bringt die Freiwillige dann nach Hause und wir verabschieden uns mit Küssen und Umarmungen.
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Ich wurde am Wochenende wirklich zurück ins Jahr 2006 geschleudert, als ich 9 Jahre alt war. Jaja, die Zeiten haben sich geändert: Die Kindersendungen werden immer komischer, genauso wie die Spielzeuge. Doch die Naturverbundenheit bleibt, obwohl das Mädchen ein eigenes Tablet hat. Ich fand es schön, einen Einblick in ihren Alltag zu bekommen, obwohl es ziemlich anstrengend war, die ganze Zeit auf Französisch zu denken und sprechen.
Anfang der Woche ging unser Heizöl leer, sodass wir kalt duschen mussten – ich habe noch nie so wenig Zeit gebraucht, um in die Dusche rein- und wieder herauszuhüpfen! Zum Glück haben wir nun wieder Heizöl und keiner erfriert mehr unter der Dusche. Zwar springt unsere Stromsicherung seit neustem immer mal wieder raus und da der Sicherheitskasten außerhalb des Hauses ist, versuchen wir, Stromausfälle zu vermeiden – im Winter werden wir wohl oder übel ohne Strom leben, da niemand in die Kälte raus will ;)
Am Sonntag habe ich eine kleine Fahrradtour gemacht und erneut festgestellt, dass Rennes wunderschön und sehr vielfältig ist! Ich kann es nur noch mal wiederholen: Ich fühle mich suuuuper wohl hier!!!

Sonntag, 4. Oktober 2015

~10~ Aufgschdanda wird!

Biep, biep, biepTAC

Biep, biep, biepTAC

Biep, biep, biep – Heute verstehe ich, wieso die Kinder sich immer von einem wegdrehen, wenn man sie nach der Sieste wecken will. Der Unterschied: bei ihnen ist es 15h45, bei mir 05h.

Bevor ich die Chance ergreife, meinen Wecker ein drittes Mal auf Snooze zu stellen, schalte ich meine Nachttischlampe an und strampele meine flauschige Decke weg – Aufgschdanda wird! Mit einem grumpy cat – Gesicht stapfe ich die Treppe zur Küche runter und schalte den Wasserkocher an. Einige Minuten später erscheint Steffi mit einem strahlenden Lächeln auf den Lippen sowie dem Spruch: „Wenn um 05 Uhr das Licht in der Küche brennt, kann es nur Eva sein.“ Heute gehen wir nach Saint-Malo und ratet mal, wer die wahnsinnig kluge Idee hatte, den ersten Zug zu nehmen, um am Strand den Sonnenaufgang zu genießen…Mit leichter Verzögerung und Gepäck (wieso habe ich meinen Schlafsack mitgenommen?) laufen wir zur Métro – die Fahrräder lassen wir in der Garage, nachdem meins am Donnerstag vor der Métrostation gestohlen wurde. Einige Zeit später erreichen wir den Bahnhof, kaufen unsere Tickets und setzen uns in den Zug. Nach einem Power Nap haben wir unser Ziel bereits erreicht und stehen am Bahnhof von Saint-Malo. Pain au chocolat und Croissaint einkaufen und los geht’s – wir suchen den Strand. Dort angekommen flippen wir erst mal aus – WIR SIND AM MEER! Der Strand scheint endlos, da Ebbe ist. Wir promenieren uns am Strand entlang, machen 24570 Bilder, schmeißen uns gelegentlich den Satz „Ich kann nicht glauben, dass wir am Meer sind!“ entgegen und sammeln Muscheln. 

Muschelnsammeln
Startpunkt: Turm der Kathedrale (Zentral im Hintergrund)

Nach einiger Zeit wird uns klar, dass wir den Sonnenaufgang nicht sehen werden, da der Strand in nördlicher Richtung liegt – Gfrüschdigd (Gefrühstückt) wird allerdings trotzdem am Meer.

Fast-Sonnenaufgang am Strand von Saint-Malo

Pain au chocolat + Eva & Croissant + Steffi

Da die Flut langsam aber sicher zurückkehrt, legen wir unseren Spaziergang fort und klettern an der Bucht entlang, um an der Spitze anzukommen. Der Ausblick ist unglaublich; erneut folgt ein „Krass, wir sind echt am Meer.“. Es ist halb 10 in Frankreich – zwar haben wir kein Knoppers dabei, dafür aber eine Thermoskanne Tee, deren Inhalt nun mit dem Blick aufs Meer und unseren Startpunkt genossen wird. Wir klettern weiter herum und dieses Bild entsteht:

Anti-Touri-Ort I / Zwischenstopp an der Spitze

Laut knurren unsere Mägen und wir machen uns auf den Weg zur Innenstadt. Unserer Rückweg wird uns durch das Meer (inzwischen ist der endlose Strand verschwunden, nur eine kleine Fläche bleibt), sodass wir durch die Siedlungen Saint-Malos trappen. Nach einer gefühlten Ewigkeit (5 km am Strand fühlen sich kürzer an als wenn man an der Straße entlang läuft) halten wir Baguette und Käse in der Hand – an der Promenade genießen wir unser französisches Mittagessen, danach geht’s auf zu Intra Muros, der Altstadt Saint-Malos, welche im Zweiten Weltkrieg zu 80% zerstört und danach im alten Stil wieder aufgebaut wurde. Dort laufen wir auf der Mauer (ein Schrittzähler wäre an diesem Tag wirklich cool gewesen!) und gönnen uns eine chocolat chaud in einem Café. Während es vormittags bewölkt und angenehm kühl war, scheint nun die Sonne und es ist zu warm, um im Zwiebellook (Strumpfhose, Socken, Hose, Top, Hemd, Cardigan, Winterjacke, Stirnband) rumzulaufen.


Spaziergang auf der Intra Muros

Inzwischen ist es 15 Uhr und wir gehen wieder an den Stand; erneut ist Ebbe - das Wasser verschwindet, die Menschen kommen. Nun wird das Chateau von Saint-Malo besichtigt bzw. die Insel, da das Chateau nur zur Hochsaison seine Tore für die Besucher öffnet. Auf der Insel snacken wir Brownies und Schokocrêpes und fühlen uns erneut französisch.


Blick von der Intra Muros. Links im Hintergrund das Chateau

Chateau von Saint-Malo

Anti-Touri-Ort II / Snacking

Zum Ausklang des Tages sitzen wir wieder am Strand und versuchen, die schreienden Kinder zu ignorieren; am Wochenende brauchen wir Abstand von unserer Arbeit. So langsam ist es Zeit zu gehen, denn der letzte Zug nach Rennes fährt bereits um 19h55. Wir genießen den letzten Blick auf das Meer und brechen auf. Im Zug werden wir uns unserer schmerzenden Füße und schweren Augenlider bewusst und es folgt ein Power Nap. Zuhause angekommen snacken wir noch gemütlich und ziehen das Fazit: 7,50€ und eine dreiviertelstündige Fahrt bis ans Meer sind eigentlich zu schön um wahr zu sein. Wir hatten einen wunderschönen Tag, führten tolle Gespräche, erkundigten gemeinsam Anti-Touristen-Orte, haben insgesamt 175 Bilder aufgenommen und haben endlich wieder etwas erlebt.

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Da Lise übers Wochenende in Deutschland war, da ihre Oma 80 Jahre alt geworden ist, erlebten Steffi und ich Saint-Malo zu zweit. Saint-Malo ist auf jeden Fall sehenswert, vor allem, wenn man kein bestimmtes Ziel hat, sondern einfach losläuft.Die Woche war normal anstrengend – ein kleiner Höhepunkt war das Radiologie-Ergebnis, dass ich endlich wieder gesund bin!  

Sonntag, 27. September 2015

~9~ Spiel, Spaß und Spannung für die ganze Familie!

Im Folgenden werden diverse Spiele vorgestellt - bei Verlusten jeglicher Art wird keine Haftung übernommen.



Bist du giftig? /Pilze sammeln I

Spieler: mind. 1 + 1 Pilzkenner
Alter: 16-70
Spieldauer: + 2h
Spielanleitung:
Dieses Spiel findet im Wald statt. Die geeignete Jahreszeit für das Spiel ist Herbst, am Besten an einem warmen, leicht schwülen Tag. Der/die Spieler verteilen sich im Wald, auf der Suche nach Pilzen. Die einzige Spielregel hierbei: Es wird nur nach Pilzen mit Schwämmen gesucht; Lamellen sind nicht erwünscht. Ist ein Pilz gefunden, ruft man laut nach dem Pilzkenner: "Ist dieser Pilz giftig?". Nach (eindeutiger) Bestimmung wird der Pilz entweder in den Korb gelegt oder zurückgelassen. 
Die mutigen Spieler braten die gesammelten Pilze an und essen sie anschließend. 



Durchhaltevermögen/ Steffi lernt häkeln

Spieler: mind. 1 + Steffi
Alter: 0-99
Spieldauer: mehrere Tage
Spielinhalt: Häkelnadel, Laptop, Wolle, Youtube-Tutorials 
Spielvorbereitung:
Am Laptop wird zuerst nach Youtube-Tutorials gesucht. Ist ein passendes Tutorial gefunden, kann das Spiel beginnen. 
Spielanleitung:
Das Tutorial wird mehrmals hintereinander angeschaut und dann versucht Steffi, zu häkeln. Der/die Spieler fungiert/fungieren als Berater, Unterstützer und Motivator. Beendet ist das Spiel, wenn Steffi zum 22359843 Mal ihr angefangenes Häkelzeug auftrennt. 
Dieses Spiel wird vorzugsweise abends gespielt, da Steffi dann über Nacht neue Kraft tanken kann.


Erfrieren oder verbrühen? / Duschen

Spieler: 1
Alter: 18-31
Spieldauer: (hoffentlich) max. 5 Minuten
Spielinhalt: Dusche mit einem warmen und einem kalten Wasserhahn
Spielanleitung:
Das Spiel findet in der Dusche statt. Nun werden sowohl der warme als auch der kalte Wasserhahn aufgedreht. Ziel ist es, die perfekte Wassertemperatur einzustellen, ohne hierbei zu erfrieren oder sich zu verbrühen. Begleitet wird dieses Spiel je nach Belieben von Musik, Schreien oder entnervtem/verzweifelten Stöhnen. 



Ich sehe gelb! / Mit Lise einkaufen gehen

Spieler: mind. 1 + Lise
Geduldsgrenze(hier wird nicht nach Alter, sondern nach Geduld gefragt, da diese je nach Person variiert): sehr hoch
Spieldauer: +15 Minuten
Spielanleitung:
Das Spiel "Ich sehe gelb!" findet im Carrefour oder in einem beliebigem anderem Einkaufsort statt, genauer gesagt vor dem Käseregal. Der Schwierigkeitsgrad ist je nach Größe des Regals verschieden - je größer das Regal, desto schwieriger das Spiel. Gemeinsam wird nun nach der Lösung des folgenden Problems gesucht: "Welchen Käse nimmt Lise?" Jeder Käse wird ausführlich betrachtet und anschließend bewertet. Auch hier gilt, Lise nur Tipps und Informationen über die Käsesorten zu geben, jedoch keine eindeutige Antwort. Wenn der Geduldsfaden reißt, ist die Regel ungültig und das Spiel bald (ca. 5 Minuten) beendet. 
Spielvariationen: Das Spiel heißt zwar "Ich sehe gelb!", kann aber auch mit anderen Lebensmitteln gespielt werden. Beliebt ist hierbei Schokolade, aber auch Geschenkmöglichkeiten für den 80. Geburtstag von Lises Oma.


Jackenwahn / Lises Entscheidung 

Spieler: mind. 2 + Lise
: sehr hoch
Spieldauer: +10 Minuten (abhängig von Geduldsgrenze)
Spielanleitung:
Eigentliches Ziel des Spiels ist es, aus dem Haus zu gehen - das Ziel ist jedoch unwichtig. Jeder Spieler richtet sich (Zähne putzen, aus dem Schlafi in "normale" Kleidung etc.). Sobald man fertig ist, wartet man an der Garderobe auf die Mitspieler. Dort stellt Lise die entscheidende Frage: "Soll ich eine Jacke anziehen oder nicht?" Nun darf jeder Spieler einen Tipp abgeben (z.B. "Heute ist es schon ziemlich warm.", "Ich nehme keine Jacke mit..."), doch man darf Lise keine eindeutige Antwort auf ihre Frage geben. Das Spiel neigt sich dem Ende, wenn die Geduldsgrenze erreicht ist - dann kann man Lise (entnervt) antworten. Dieses Spiel kann täglich gespielt werden, jedoch nicht spät abends, da die letzte Metro um 1h30 fährt.



Kontrolle / Snacking

Spieler: mind. 2
Alter: 18
Spieldauer: bis zu 2h
Spielinhalt: Essen
Spielanleitung:
Dieses Spiel ist sehr simpel: Man stecke die Spieler in einen Raum und warte ab. Bald wird der Erste folgenden Satz aussprechen: "Ich hab Lust, was zu essen.". Die anderen Spieler stimmen dann entweder zu ("Ja, n bisschen Snacking wäre ganz nett.") oder ab ("Ne, ich hab heute schon so viel gegessen."). Es gibt nur zwei Spielausgänge: entweder das Spiel ist zu Ende, wenn es kein Essen mehr gibt, oder wenn den Spielern schlecht ist. Bei letzterem Ausgang warten die Spieler ca. eine Viertelstunde, danach kann das Spiel fortgesetzt werden.
Dieses Spiel kann täglich zu jeder Tageszeit gespielt werden.


Magnetik überwinden

Spieler: mind. 1 + zwei Kinder
Alter: 3-99
Spieldauer: 8h
Spielanleitung:
Das Spiel kann sowohl draußen als auch innen gespielt werden. Dort gilt es, die zwei Kinder so weit wie möglich auseinander zu halten. Gewonnen hat man, wenn dies gelingt. Die Folge des Verlierens ist es, dass Chaos und Geschrei ausbricht.


Such die Lise / Pilze sammeln II

Spieler: mind. 2
Alter: 12-99
Spieldauer: + 1h
Spielanleitung: 
Man fährt gemeinsam in den Wald. Dort angekommen lautet die Aufgabe, genießbare Pilze zu finden - entweder einzeln oder in Teams. Und dann nimmt das Spiel von ganz alleine seinen Lauf, denn irgendwann ist Lise unauffindbar. Dann gilt es, rufend und in leichte Panik geraten, Lise zu finden. Das Spiel kann beliebig oft wiederholt werden.
Bei schlechtem Wetter kann man auch im Freiwilligenhaus spielen. Hierbei wird variiert: Lise sucht nicht nach Pilzen, sondern macht IRGENDWAS.


Wetten, dass...? 

Spieler: mind. 2 + ein Kind
Alter: 3-99
Spieldauer: max. 10 Minuten
Spielanleitung:
Das Spiel beginnt, sobald die Stimme des Kindes höher wird und die Unterlippe beginnt, zu zittern. Dann schauen sich die Spieler in die Augen und überlegen gleichzeitig, wann es so weit sein wird. Per Augenzeichen wird nun gewettet. Wenn das Kind anfängt zu weinen, wird über einen raschen Blick der Gewinner entschieden und danach kümmert man sich mehrere Stunden um das Kind, bis es aufhört. 

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Auch dieses Wochenende war recht unspektakulär, da ich immer noch Hausarrest habe - samstags Pilze sammeln mit unser Ansprechpartnerin Sünnje war die einzige auserhäusliche (Neologismus?) Aktivität. Allerdings gab es diese Woche auch etwas zu feiern, denn wir sind nun bereits seit einem Monat hier in Rennes und das musste gefeiert werden, sodass wir heute in einem bretonischen Restaurant zu Mittag gegessen haben - natürlich Galettes, die Spezialität der Bretagne. 

Für mich ist es immer noch incompréhensible, dass ich ein Jahr in Rennes leben werde, jedoch ist das "Urlaubsgefühl" dank der Arbeit abgeklungen.