Es ist Freitagabend und die mamies (=Oma) Steffi und Eva sitzen gemütlich auf dem canapé (=Sofa), eine Decke über den
Beinen, und häkeln vor sich hin. Warm dampft der Lavendeltee (natürlich
ökologisch) aus den großen Tassen. „Ich glaube, mir ist schlecht. Du weißt
doch, seit wir in Frankreich sind, werde ich dauerhaft krank.“, meint mamie Eva zu Steffi. „Ach Eva, hast du
etwa wieder caramel au beurre doux (=Karamelaufstrich) mit Butter gegessen?
Schätzchen, abends können wir doch nichts Fettiges zu uns nehmen. Lernst du denn nie dazu?“,
antwortet mamie Steffi mitleidig.
„Ich hole dir den Magensaft und dann nimmst du brav einen schöööön großen Löffel,
d’accord?“ „Nein, der Saft schmeckt eklig. Außerdem habe ich noch Okubaka und
das Akkupressur-Buch, das hilft eher als dieses Industriezeugs!“, erwidert mamie Eva darauf.
„Ach Steffi, morgen ist Markt, wollen wir zusammen
hingehen und ein bisschen rumschlendern?“, sagt mamie Eva, nachdem sie Okubaka genommen und akkupressiert hat.
„Stimmt, morgen ist ja schon Samstag! Endlich Wochenende, die Arbeit mit den
Kindern ist schön aber anstrengend.“ Zustimmend nickt mamie Eva. „Dann lass uns doch mal den Essensplan für die nächsten
zwei Wochen erstellen. Hier meine Kät-Bücher*. So, was gibt es denn? Oh, das
sieht gut aus!“, meint mamie Steffi.
„Aber Steffi, das ist mit Käse, du weißt doch: Nichts fettiges, däftiges,
herbes, scharfes oder lactosehaltiges abends.“, kommentiert mamie Eva bedauernd. „Stimmt, du hast
Recht.“. Mamie Steffi blättert
weiter, auf der Suche nach Rezepten, die den Kriterien entsprechen. „Was meinst
du dazu? Zucchini-Nudeln? Wir lassen den Parmesan einfach weg und nehmen dafür
ein klitzekleines Stückchen Frischkäse, das haben wir doch letztens auch
vertragen.“ „Aber Steffi, Zucchini sind nicht saisonal! Schau doch mal auf die
Tabelle: Im Januar gibt es Pastinaken, Kohl, Kohl, Kohl, Karotten,
Pastinaken...“ – „Oh nein, komm mir bloß nicht mit Pastinaken, dein Low-Carb
Ofenpastinaken Rezept von letztem Mal hat mir Pastinaken für den Rest meines
Lebens versaut!“, meint mamie Steffi
angewidert. Nur allzu gut erinnern sich die beiden mamies an diesen Abend, verdrängen den Gedanken daran allerdings schnellstens
wieder. Die Suche nach Rezepten geht noch einige Zeit weiter, doch letztendlich
ist der Wochenplan mit den genialen Gerichten (Kät sei Dank!) erstellt und mamie Steffi und Eva lehnen sich
entspannt zurück.
Plötzlich vibriert mamie
Evas Handy. „Oh, eine Nachricht von Gildas. Er fragt, ob er uns eine Pizza
vorbeibringen soll.“ „Von dem Gedanken an Pizza wird mir schlecht. Weißt du
noch letztes Mal? Es war zu viel Käse, Zwiebeln und Knoblauch. Und die scharfe
Soße hat mir den Rest gegeben!“, mamie Steffi
tätschelt liebevoll ihren Bauch und schaut mamie
Eva an. Auch diese tätschelt ihren Bauch. „Du hast Recht. Was würde ich nur
ohne dich machen? Außerdem würde er sowieso erst in ein paar Stunden
aufkreuzen…“. „Wie viel Uhr ist es denn?“ frägt mamie Steffi. „Schon 19h00“, erwidert mamie Eva.
Mit ungeahntem Elan und Schnelligkeit springt mamie Steffi auf. „Dann ab in den
Schlafanzug!“, ruft sie währenddessen entzückt. „Ich habe mich schon gewundert,
wieso du ihn nicht gleich angezogen hast, als wir nach Hause gekommen sind. Ich
dachte, du triffst dich mit Kathy oder so.“, kommentiert mamie Eva. „Was? Es ist Freitagabend, als würde ich noch was
machen! Früher vielleicht, aber in meinem Alter…ich bin auch nicht mehr die
Jüngste und du weißt doch, sobald ich in meinem Schlafi bin, kriegt mich
niemand mehr aus dem Haus. Außer Liam (Sänger von One Direction)…!“, antwortet mamie Steffi aus ihrem Zimmer, wobei
sie nicht mal schreien muss, da die gemeinsame Wohnung sehr klein ist.
„Ach, die Boys.“ Seufzt mamie Eva und denkt träumerisch an das Fanposter von 1D, das in dem
Bad hängt. „Für Niall (der mit Abstand tollste Sänger von 1D!!!) würde ich
sogar ein Stückchen Crêpe abends essen, während wir romantisch die Villaine
(Fluss, der durch Rennes fließt) entlangspazieren.“
Mit Schlafi, Fleece,
Einhornhausschuhen und ihrer geliebten und praktischen Fancy-Bobbel-Frisur
tappt mamie Steffi zurück ins
Wohnzimmer/Esszimmer/Küche/Gang. „Oh, ich geh noch schnell aufs Klo! Du weißt
doch, ich hab eine kleine Blase.“
Verständnisvoll nickt mamie
Eva und widmet sich ihrer Häkelarbeit. „Steffilein, wärst du so gut und schaust
nach dem Nora-Roberts-Buch, damit ich dir das nächste Kapitel vorlesen kann?
Ich bin so langsam müde, schließlich wollen wir morgen früh zum Markt…“ Ein
Blick auf die Uhr genügt mamie Steffi.
„Schon halb 10??? Du hast Recht, ich hab gestern so schlecht geschlafen, unsere
neuen spanischen Nachbarn haben von 3-5 Uhr morgens noch lautstark diskutiert…“
„Unerhört! Wissen die nicht, dass es auch Leute gibt, die morgens arbeiten
müssen? Wir sollten ihnen das mal sagen! Und sie danach nach ihrem WLAN-Passwort
fragen…“ meint mamie Eva schockiert. „On le fera demain“ (=„Wir machen das morgen“), erwidert mamie Steffi, drückt mamie
Eva das Buch in die Hand und kuschelt sich an sie. Liebevoll schlägt mamie Eva
die richtige Seite auf, streicht über diese und beginnt vorzulesen: „Kapitel
2…“. Nach zahlreichen Lachern** ist die Lesestunde vorüber und die beiden mamies machen sich auf den Weg ins Bett.
Mamie Steffi grummelt noch über ihre
kalten Füße und dass es eine Zumutung sei, ohne Mikrowelle und somit ohne
Heizkissen leben zu müssen, begibt sich ein weiteres Mal auf Toilette und legt
sich danach auch hin.
Das Wochenende
kann beginnen, ein Hoch auf das Studentenleben!
*“Käts Studentenküche“ sowie „Käts Lunchbox“ dürfen in
keinem Haushalt fehlen! Mit abwechslungsreichen und vor allem fettarmen
Rezepten zaubert sie Gerichte her, die zu jeder Tageszeit rasch vorbereitet und
genießerisch gegessen werden können.
**Wer schon mal ein Buch von Nora Roberts gelesen hat,
kann mir nur zustimmen. Wer sich noch keine Auszüge aus den kitschigen und
klischeehaften Liebesschnulzen gegönnt hat, sollte dies unbedingt nachholen.
Auch in Verbindung mit einem Trinkspiel möglich ;)
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Da Steffi und ich wirklich nichts abends essen können,
das in irgendeiner Weise nicht super mega leicht verträglich ist, erstellen wir
inzwischen wirklich so wie oben beschrieben unsere Essenspläne. Uns nervt es
natürlich total, dass wir so „eingeschränkt“ im puncto Essen sind, aber da zurzeit
sowieso Magen-Darm in der Schule rumgeht und wir den Sonntag mit Bauchweh und
Umarmen der Kloschüssel verbracht haben, sind wir wirklich vorsichtig.
Hélène war so lieb uns den Dienstag halbtags freizugeben
und uns auch am Mittwoch von der Schule zu befreien. Wir haben wirklich Glück
mit ihr, zwar ist sie (wie schon tausend Mal gesagt) keine Élise, aber sie ist
trotzdem richtig nett.
Das Wochenende zuvor war ich gemeinsam mit Gildas an der
Südwest-Küste in Quiberon, was hieß Autofahren (yesssss j’adorrre j’adorrre = Ich liebe liebe liebe liebe liebe es sehr!)
und endlich wieder entspannen. Die böse Überraschung kam dann am Sonntagmorgen,
als ich mit einem Ausschlag, der sich als Nesselsucht entpuppte, aufstand. Nesselsucht
kann von wirklich allem kommen und sieht aus wie abartig riesige
Schnakenstiche, die sich auf der ganzen Haut, sogar am Ohrläppchen, befinden.
Da sonntags die Apotheken zu haben, verbrachte ich den Tag damit zu leiden und
kalte Duschen zu nehmen, da das das Einzige nicht medikamentöse ist, dass einen
für einige Momente von den Schmerzen befreit. Zum Glück hat Gildas Call of Duty
– Black OPS Zombiemode, sodass ich meine Aggressionen an Zombies rauslassen
konnte ;)
Wir freuen uns wahnsinnig auf die Faschingsferien (bei
uns zwei Wochen, allerdings ohne Fasching L), die bereits nächste Woche beginnen. Die erste
Woche verbringen wir bei Biarritz (Südwest-Küste Frankreichs, etwa 30km von
Spanien entfernt) und die zweite kommen meine Schwester Lola und meine Cousine
Heli vorbei.
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