Sonntag, 22. November 2015

~13~ Neuste Studien zeigen: Krokodilstränen führen zu Rebellion


Finsternis kann keine Finsternis vertreiben.
Das gelingt nur dem Licht.
Hass kann den Hass nicht austreiben.
Das gelingt nur der Liebe.

Martin Luther King


Es ist zwar „schon“ über eine Woche her, dass Paris mit Attentaten überrascht wurde, aber der Schock ist noch da. Die Angst ist da. Nicht nur in Paris direkt, sondern überall in Frankreich. Wir sind über zwei Stunden von der Hauptstadt entfernt, aber ein Kind hatte so große Angst vor weiteren Attentaten, dass es nicht mehr einschlafen konnte. Nun haben wir einen beschützenden Stein im Sieste – Zimmer aufgehängt und das Kind kann endlich wieder schlafen. Taschenkontrollen in der Stadt sind an der Tagesordnung und durch den Ausnahmezustand werden viele Veranstaltungen abgesagt, um möglichen Attentaten keinen Raum zu lassen.

Mir fehlen die Worte und ich möchte/muss auch nicht viel bezüglich dieses Themas sagen, außer, dass ich die Solidarität, vor allem mit den Flüchtlingen, großartig und berührend finde.

http://puheenvuoro.uusisuomi.fi/sites/default/files/imagecache/biggest/domain-37/kuvat/paris-peace.jpg

#prayforparis


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Neuste Studien zeigen: Krokodilstränen führen zu Rebellion

Rennes am Mittwoch, dem 4.11., um 21.00. 
Eine Nachricht erschüttert das harmonische Freiwilligenhaus.

Nach langer Suche wurde eine neue Wohnmöglichkeit gefunden – jedoch nur für zwei der fünf Freiwilligen, Mario und Louise. Aufgrund mehrerer schwieriger und gefährlicher Situationen mit dem Nachbar und seinen neun Hunden beschloss die Organisation Compagnons Bâtisseurs, dass sie die gegenwärtige Lage nicht verantworten können.
Doch erst am besagten Mittwoch Abend wurde klar, dass der Umzug nicht nur eine Option, sondern obligatorisch war. Die Reaktionen waren deutlich auf den Gesichtern der anderen drei Freiwilligen zu sehen. Eine Freiwillige brach in Tränen aus. „Da wir nicht wussten, wo wir nun wohnen sollen, malte ich mir die schlimmsten Szenarien aus. Das war einfach zu viel für mich.“
In den folgenden Stunden spielte sich das ab, was man „Die fünf Phasen der Trauer“ nennt: Leugnung („Ne, das is nicht deren Ernst, das dürfen die doch nicht.“), Zorn („Wir ziehen hier nicht aus!“), Verhandlung („Hier gibt es so viele Brücken, wir schnappen uns einfach ein Zelt und wohnen da, alle zusammen!“), Depression („Wir werden getrennt, die Welt ist ungerecht.“) und Akzeptanz („Okay, lass uns mal im Internet schauen, was es für Alternativen gibt.“).
In späteren Interviews wurde dann bestätigt, was davor schon vermutet wurde: Die drei Mädchen sind zu einer Familie zusammengewachsen und haben die anderen Freiwilligen in ihr Herz geschlossen. Dies machte es ihnen schwer, die Trennung zu akzeptieren. 
Wahrlich geholfen hat jedoch nur ein Besuch beim Piercer. Berichten zufolge hat sich eine Freiwillige einen Helix, die andere einen Nasenpiercing stechen lassen.

em

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Ja, der Umzug war ein riesiger Schock für uns. Nachdem wir uns endgültig mit der Situation abgefunden hatten, haben wir leider auch festgestellt, dass es unmöglich ist, in einer Stadt wie Rennes ein Appartement für drei Personen zu finden, das die finanziellen Mittel nicht übersteigt. Da in dem neuen Haus von Mario und Louise noch ein Zimmer frei ist, haben wir ausgelost, wer dort wohnen wird; es traf Lise. Steffi und ich haben ein frisch renoviertes Appartement im Zentrum, welches höchstwahrscheinlich nicht bis zum Umzug der anderen einzugsbereit ist. Dies heißt, dass wir noch ein bis zwei Wochen alleine ohne jegliche Einrichtung (wir werden um die Mikrowelle kämpfen!) im Freiwilligenhaus wohnen werden.
Es wird mir total fehlen, die Haustür zu öffnen und Louises Musik zu hören, jeden Abend zusammen TV zu schauen, lautstark nach Crêpes zu verlangen (und sie dann auch bekommen <3 ), Marios „PUTAIN“ – Ausrufe. Einfach alles. Wir sind/waren nicht nur einfach ein paar Freiwillige, die man zusammen in ein Haus geschmissen hat. Wir sind Freunde. Helfer. Tröster. Schon fast eine Familie.
Der Silberstreifen am Horizont ist, dass wir nicht weit von dem neuen Freiwilligenhaus entfernt wohnen und dadurch weitere „The Mentalist“ und Kochabende gesichert sind.

Auch am 12.11. passierte etwas Schreckliches - in den Augen der Kinder, aber auch uns Erwachsenen hat es das Herz gebrochen. Eine „große böse Maschine“ hat den Großteil der Bäume, die direkt an das Schulgelände angrenzten, abgesägt. Das einzig Gute ist, dass wir nun viel mehr von der Sonne sehen und die Schule um einiges heller und wärmer ist als zuvor.

Am 13.11. war das Laternenfest / Sankt Martin. Bilder folgen hoffentlich noch (ich hab schon einen Papa/Hobbyfotograph darauf angehauen :) ). Es war sehr schön, sowohl die Laternen als auch das Fest an sich. Zu Beginn gab es ein selbst geschriebenes Theaterstück einer Lehrerin, in dem es darum ging, dass negatives gleichzeitig auch positiv ist – hat natürlich perfekt zu unserer jetzigen Situation mit dem Umzug gepasst. Danach war der Laternenzug (leider ohne Sankt Martin und dem Bettler, so wie ich es aus meiner Grundschule kenne), deren Begleitungsmusik trotz großer Liedauswahl nur aus „Ich geh mit meiner Laterne“ und „Sonne, Mond und Sterne“ bestand und zum Abschluss ein Lagerfeuer und Suppe.

Kindergarten-Laternen


Mein Herz explodierte fast vor Freude, als ich am 15.11. zum ersten Mal im Gottesdienst einer Freikirche war und herzlich aufgenommen wurde. Der Gottesdienst war sehr bewegend, vor allem weil wir am Anfang für Paris, aber auch für den Frieden auf der ganzen Welt gebetet haben. Das „Hier bin ich richtig. Hier bin ich Zuhause.“ – Gefühl wurde nach dem Gottesdienst durch Einladungen zum Mittagessen und schöne Gespräche sowie das Austauschen von Handynummern noch mal bekräftigt.

Am Freitag, dem 20.11., waren Steffi und ich auf einer Party. Dachten wir zumindest, bevor wir hingingen. Der Anblick einer Harfe und einer Geige machte unsere Party-Stimmung zunichte. Bretonische Volksmusik statt Clubmusik. Unser „Wir hätten auch in unseren Schlafis Zuhause gammeln können“ - Gedanke verflüchtigte sich aber sehr schnell, da bretonische Musik richtig cool ist. Es gibt zwar traditionelle Tänze, aber da diese keiner konnte, sind wir hüpfend durch den Raum getanzt und haben uns prächtig amüsiert. Danach trat eine Jazz – Band auf und weiter gings mit dem Tanzen. Der krönende Abschluss war eine Studentin, die dann zu Jazzmusik gesungen hat. Wow. Ein toller Abend und wir waren endlich mal aktiv!

Gestern war der Hunger Games (Tribute von Panem) Marathon. 12 Stunden im Kino. Zum Glück hatten wir jede Menge Snacking (Schokomuffins, Scones, Galettes sablées, Sandwiches, Cola) dabei und unsere Leggins an :D Erneut ein gelungener Tag!

Pre-Snacking / Brunch vor dem Kino



Heute waren wir im Parc Gayeulles, ein absolutes Muss, wenn man Rennes besucht. Ein perfektes Ausflugsziel für Familien: Spielplätze, ein Minigolf-Platz, ein Wildgehege, mehrere Seen und Teiche, ein Trimm dich Pfad und Grill- & Picknickplätze.

Trimm dich Pfad mal anders :)




Zusammengefasst kann man sagen, dass dieses Wochenende perfekt und aktiv war. Und das mein Blogeintrag eindeutig zu lang ist, also „Chapeau“ an alle, die es bis zum Ende durchgehalten haben!

Sonntag, 8. November 2015

~12~ Paris, mon amour!



Wieso ist Paris so berühmt? 


Ganz einfach, weil die Stadt sich einen Namen gemacht hat! Es gibt so viele schöne Städte in Frankreich, doch Paris hat es geschafft, die Stadt Nummer 1 zu werden und Touristen aus der ganzen Welt anzulocken!

Hier einige Gründe für den Aufstieg der Stadt:


Die gigantischen, von Menschenhänden erschaffenen Gebäude lassen einen vor Ehrfurcht erzittern, verleihen das Gefühl, minuscule zu sein, doch zugleich ist man erstaunt von der Architektur, der Größe und der Geschichte. Das einzige Wort, das einem in diesen besonderen Momenten einfällt, ist „holy!“. Einige Beispiele für diese „holy!“ – Momente sind der Louvre, das Musée d’Orsay, die Kirche Notre Dame sowie Sacre Coeur.
Diese Sehenswürdigkeiten können auch mit dem Touribus oder einer Fahrt auf der Seine bestaunt werden.
Der Louvre

Musée d'Orsay

Notre Dame


Sacre Coeur



Die Seine
Schlechtes Selfie während der Seine-Fahrt
Die berühmteste Sehenswürdigkeit ist jedoch der Eiffelturm, der zum Wahrzeichen der Stadt Paris geworden ist. Doch nicht nur bei Tag ist der Tour d’Eiffel sehenswert; bei Nacht ist er wie die anderen Sehenswürdigkeiten beleuchtet, die Besonderheit: Zu jeder vollen Stunde zwischen 19h-02h „funkelt“ der Eiffelturm für einige Minuten und verleiht der Stadt einen magischen und romantischen Glanz. Der Eiffelturm behält seinen Charme auch, wenn es neblig und kühl ist: dann sieht man die zwei Scheinwerfer des Eiffelturms ihre Runden durch die Wolken ziehen. Dieser Schein ist bis in die Zone 5 von Paris sichtbar.




Ein weiteres Spektakel ist die Aussicht vom Arc de Triomphe („holy!“ – Moment) bei Nacht. In der Dunkelheit sieht man die Straßen, die sternenförmig von dem Gebäude ausgehen, sowie den Eiffelturm und einige andere Gebäude. Der etwas anstrengende Aufstieg bis zu der Plattform ist diesen Anblick eindeutig wert - ein Bild reicht nicht aus, um das Gefühl zu beschreiben, welches man oben fühlt. 

Das bindende Glied der Sehenswürdigkeiten ist die Metro, korrekt ausgedrückt, die 16 Metros sowie zahlreiche Busse und RERs. Für Touristen ist das System verschickt und verwirrend, vor allem, wenn sie aus einer Stadt wie Rennes kommen, die eine Metro und ein paar Busse besitzt. Doch mit Guides (siehe unten) ist auch diese Hürde überwindbar.
Überall in Paris gibt es Parks und Naherholungsgebiete, die einladen, sich Baguettes, Camembert, Pain au Chocolat und Gemüse zu kaufen und dort zu snacken. Danach kann man gestärkt den Tagesausflug fortführen.

Snacking-Ort irgendwo in Paris

Paris ist wahrlich eine Stadt magnifique, die mit ihrem Charme überzeugt und verzaubert. Doch jeder Ort besitzt Ecken und Nischen, die in keinem Touristenführer zu finden sind. Deshalb ist es von Vorteil, die Stadt mit „Einheimischen“ zu erkunden – nicht nur, um diese Anti-Touri-Orte zu finden ohne sich in Paris zu verirren. Guides sind vor allem für ihren unschlagbaren Humor und ihre Art, zu begeistern, berühmt. Bei dieser Atmosphäre vergisst man schmerzende Füße und das Bedürfnis, zu nappen.

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Vom 16.-23. Oktober waren Lise, Steffi und ich in Paris. Der eigentliche Grund dafür war der viertägige Kongress der französischen Waldorfschulen und –kindergärten. Doch da der Kongress dieses Mal viel kleiner ausgelegt war als letztes Jahr hatten wir Freiwilligen wenig Programm und konnten somit die Zeit in Paris mit einigen anderen Freiwilligen genießen. Drei der Freiwilligen meines Vorbereitungsseminars wohnen in der Schule, in der der Kongress stattfand, sodass ich bei ihnen wohnen durfte. Ein weiterer lebt direkt in Paris und auch Freiwillige aus dem Elsass und Avignon sind den Weg nach Paris angetreten. Paris ist wirklich eine wunderschöne Stadt, doch ohne die anderen Freiwilligen wäre sie weitaus weniger attraktiv gewesen. Wir haben sehr viel gemeinsam erlebt und jeder einzelne Tag war perfekt, sodass wir abends höchst zufrieden und müde ins Bett gefallen sind und schnell ratzen konnten.
Es war allerdings auch das erste Mal, dass ich von Lise und Steffi getrennt war (über einen Tag!!!!), was für uns, so verschickt es auch klingt, total schlimm war, obwohl ich die Zeit mit den anderen Freiwilligen wirklich genossen habe. Das Vermissen wurde aber durch liebevolle Gedichts-SMS und Anrufe gemildert und mir ist erneut bewusst geworden, wie glücklich ich mich schätzen kann, mit den beiden mein FJA zu verbringen.

Vor dem Eiffelturm - wie es sich für Touris gehört ;)


Dass ich erneut nach Paris fahre, ist schon beschlossen, ebenso, dass die Freiwilligen uns in Rennes besuchen kommen, um sich Galettes zu gönnen. Ach ja, die kursiv geschriebenen Wörter sind all diejenigen, die wir uns während Paris voneinander angewohnt haben ;)
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Ich bin erst jetzt dazu gekommen, diesen Blogeintrag zu schreiben, da die zweite Ferienwoche auch vollgepackt war z.B. mit dem Besuch von Le Mont Saint Michel (Hinfahrt classic und girly mit der Pferdekutsche) und einem weiteren Tagesausflug nach Saint-Malo!

Kutschenfahrt mit Le Mont Saint Michel im Hintergrund
Die Landschaft ist pittoresk - Watt gemischt mit reißenden Flüssen. Auch Wattwanderungen in Begleitung eines Guides sind möglich.


Am Montag hat die Schule wieder begonnen und ich war sehr froh, die Kinder wieder zu sehen und bin gar nicht aus dem „ich will euch alle knuddeln“ – Modus raus gekommen  - verschickt, oder?
Nächsten Mittwoch ist Sankt Martin: für uns heißt das, viele Laternen und Brote für das Fest vorzubereiten! Ich freue mich schon und bin gespannt, wie das Fest in einer Waldorf-Einrichtung in Frankreich aussieht im Vergleich zu staatlichen Grundschulen in Deutschland!