Bist du bereit für einen Ausflug in das Jahr 2006?
Deine Zeitmaschine erwartet dich. Du packst deinen Rucksack mit allen überlebenswichtigen Dingen (z.B. Micky-Mouse T-shirt) und sitzt dich in die Zeitmaschine. Du drückst den roten Knopf und boombadaboom los geht das Abenteuer:
Du bist 9 Jahre alt. Du gehst in die 3. Klasse – Jungs sind
doof, denn sie machen nur Krach und prügeln sich. Deine Welt dreht sich um die
„Winx“, Pferde, „W.i.t.c.h.“ und…Pferde. Dein Kater „pattes blanches“ ist dein
ständiger Begleiter, ob auf der Straße oder im Bett. Heute ist Freitag und du
hast eine Freundin eingeladen: Eine deutsche Freiwillige aus deiner Schule,
welche übernachten wird. Du führst sie durch dein Quatier, zeigst ihr den Laden
deiner Mutter, einen coolen Spielplatz und einen Kletterbaum. Zuhause stellst
du die ultimative Frage: „As-tu envie de jouer Doudou avec moi?“ („Hast du Lust
mit den Kuscheltieren zu spielen?“) Rasch sind die Doudous aufgeteilt und ihr
macht euch daran, die Häuser und Läden aufzubauen. Wenig später hast du die geniale
Idee, das Spiel nach draußen zu verlegen – Straßenkreide und kleine Doudous
einpacken und schon kann es losgehen. Auch hier gilt wieder, Häuser
aufzubauen, dieses Mal werden sie mit der Kreide auf den Boden gezeichnet. Zurück
in der Wohnung (Wieso ist der Freiwilligen immer so kalt?) machen wir
sablimages, Bilder mit buntem Sand – natürlich ist die Freiwillige total
begeistert und erinnert sich an die Zeit von „Malen nach Zahlen“. Die nächste
Idee bahnt sich an: Auf Plaketten werden eure Namen geschrieben, gleichzeitig
sammelt ihr Äste und bindet sie zusammen. Das Ganze wird dann mit auf den
Kletterbaum genommen („Warum ist die Deutsche so langsam? Ich werde sie
trainieren, indem ich sie immer hoch und runter schicke…“) und platziert. Nun
warten wir auf maman, um ihr zu zeigen, was wir konstruiert haben – natürlich
ist sie begeistert, was auch sonst? Während sie das Abendessen vorbereitet,
schauen wir meine Lieblingssendungen auf Disney Channel: „Violetta“ und „Chica
Vampiro“! Ich spüre die Überzeugung der Freiwilligen, als sie sagt, dass die
Sendungen ihr gefallen – oder ist sie nur eine unglaublich begnadete
Schauspielerin? (Die Antwort erschließt sich, wenn man den Trailer für „Chica
Vampiro“ anschaut). Währenddessen wird gesnackt – das Abendessen, das uns Mama
dann serviert, schmeckt mir nicht so, aber die Freiwillige bittet sogar um
Nachschlag (die Deutschen halt). Nach einer weiteren Runde Doudou spielen,
schauen wir „Das Dschungelbuch“, wechseln aber nach kurzer Zeit über zu „Das
Königreich der Katzen“, welches die Freiwillige dank ihrer besten Freundin
schon kennt. Um 23h ist der Film vorbei und Müdigkeit breitet sich aus...es
ist Zeit, ins Bett zu gehen. Dort wird allerdings nicht gequatscht, denn maman
hat die Türe einen Spalt offen gelassen, um sicherzustellen, dass wir brav
schlafen. Gekichert wird allerdings trotzdem, als sich pattes blanches auf dem
Bett der Freiwilligen breit macht und sich kraulen lässt.
Unsanft werden wir durch meine
digitale Armbanduhr geweckt (Wie stellt man den Alarm aus???) und stehen auf –
maman gibt der Freiwilligen noch Anweisungen, aber die Freiwillige checkt nicht
alles und fragt noch gefühlte tausend Mal nach, um sich zu vergewissern, dass
sie nichts falsch macht. Wichtigste Anweisung: Kein Fernsehen für mich! Die
Freiwillige und ich machen den Waffelteig und hören währenddessen meine
Lieblings-CD. Die Freiwillige kennt jedes Lied auswendig und singt deshalb
lauthals mit, wohingegen ich irgendetwas vor mich hinbrabbele (englische Texte
zu verstehen ist ziemlich schwierig). Danach gehe ich zu einem Treffen,
währenddessen geht die Freiwillige zu maman und kauft für sie ein. Zurück
Zuhause gibt es bretonisches Mittagessen: Galettes und zum Nachtisch Crêpes,
die allerdings nicht so gut schmecken. Erneut hören wir meine Lieblings-CD und
es heißt KISSENSCHLACHT mit dem Song „Treasure“ im Hintergrund. Während ich
wieder ein Treffen habe, geht die Freiwillige zu maman und lässt sich mit einer
Sauna verwöhnen. Mit verschwitzten Haaren kommt sie nach Hause und es geht gleich
weiter zu dem Bauernhof meiner Freundin. Dort führen wir (wohl eher ich, denn
ich bin immer schneller als meine Freundin) sie herum und spielen anschließend
„Littelest Petshop“ – Barbie, Polly, Lego, Playmobil und Co. Sind out, die
kleinen Tierchen mit den unglaublich riesigen Köpfen, die man um 360° drehen
kann, sind doch viel schöner und gaaarnicht gruslig. Leider geht’s schon wieder
nach Hause und die Müdigkeit übermannt die Freiwillige und mich. Gemeinsam
gammeln wir auf dem Sofa herum und warten auf meine Freundin, die von heute auf
morgen bei mir übernachtet – ihr Vater bringt die Freiwillige dann nach Hause
und wir verabschieden uns mit Küssen und Umarmungen.
-----------------------------------------------------------------------------------------------
Ich wurde am Wochenende wirklich
zurück ins Jahr 2006 geschleudert, als ich 9 Jahre alt war. Jaja, die Zeiten
haben sich geändert: Die Kindersendungen werden immer komischer, genauso wie
die Spielzeuge. Doch die Naturverbundenheit bleibt, obwohl das Mädchen ein
eigenes Tablet hat. Ich fand es schön, einen Einblick in ihren Alltag zu
bekommen, obwohl es ziemlich anstrengend war, die ganze Zeit auf Französisch zu
denken und sprechen.
Anfang der Woche ging unser
Heizöl leer, sodass wir kalt duschen mussten – ich habe noch nie so wenig Zeit
gebraucht, um in die Dusche rein- und wieder herauszuhüpfen! Zum Glück haben
wir nun wieder Heizöl und keiner erfriert mehr unter der Dusche. Zwar springt unsere Stromsicherung seit neustem immer mal wieder raus und da
der Sicherheitskasten außerhalb des Hauses ist, versuchen wir, Stromausfälle zu
vermeiden – im Winter werden wir wohl oder übel ohne Strom leben, da niemand in
die Kälte raus will ;)
Am Sonntag habe ich eine kleine
Fahrradtour gemacht und erneut festgestellt, dass Rennes wunderschön und sehr
vielfältig ist! Ich kann es nur noch mal wiederholen: Ich fühle mich suuuuper
wohl hier!!!


